Industriesalz – Die weiße Gefahr

Zu viel Salz erhöht den Blutdruck, schadet Herz und Nieren. Bereits eine Menge von einem halben bis einem Gramm Kochsalz pro Kilogramm Körpergewicht wirkt tödlich. Die schlimmsten Salzbomben sind verarbeitete Produkte. Experten entlarven jetzt die größten Sünder.

Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen ließen sich vermeiden, würde der tägliche Salzkonsum nur um ein einziges Gramm reduziert. Zu diesem Ergebnis kamen Mediziner bei einem Kongress der American Heart Association an der University of California (USA). Durch den Verzicht auf drei Gramm Salz täglich können wir unser Infarkt- und Schlaganfallrisiko deutlich senken. Doch nach wie vor wird bei uns zu viel Salz konsumiert. Männer nehmen durchschnittlich neun Gramm, Frauen im Schnitt sieben Gramm Salz pro Tag zu sich. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlene Tageshöchstmenge liegt bei sechs Gramm – einem gestrichenen Teelöffel.

Salz macht süchtig

Doch warum salzen wir so viel? Wissenschaftler der Universität Iowa liefern jetzt die Erklärung: Salziges Essen macht uns glücklich und zufrieden. Salz wirkt fast wie ein Antidepressivum, das jedenfalls zeigten Tierversuche. Die Forscher kommen zu der Schlussfolgerung: Fade Kost ist keine Lösung, denn ohne Salz können Menschen antriebsschwach und depressiv werden. “Das Verlangen nach Salz und der körperliche Entzug, wenn es fehlt, folgen vermutlich ähnlichen Gehirnmustern wie Drogensucht und -missbrauch”, erklärt Studienleiter Kim Johnson.

Aber: Nur 20 Prozent des verzehrten Salzes rieseln aus unserer Hand ins Essen. Den Rest nehmen wir über verarbeitete Lebensmittel zu uns. Schuld an unserem hohen Salzkonsum ist also die Industrie, die uns mit einer ganzen Palette von Salzbomben versorgt. Und die sind gut getarnt. Auf dem Etikett müssen die Hersteller nämlich nur den Anteil des Elements Natrium angeben. Daraus kann der Verbraucher dann den Salzgehalt selbst errechnen (Natriumgehalt multipliziert mit 2,5). Erst ab 2016 muss auf Produkten ihr tatsächlicher Salzgehalt ausgewiesen sein.

Die schlimmsten Salzbomben sind Fertiggerichte. Besonders tückisch: Viele dieser Lebensmittel, wie z.B. Backwaren und Frühstückscerealien, schmecken überhaupt nicht salzig. Die Experten von der Stiftung Warentest haben jetzt den Salzgehalt von 74 Produkten analysiert. Eine Auswahl findest Du hier in den folgenden Artikeln.

Matjes – eine echte Salzbombe

Die Ergebnisse sind erschreckend: Bei vielen dieser Produkte nehmen wir bereits mit einer Portion 20 bis 80 Prozent der täglich erlaubten Salzmenge zu uns.

Auf Platz 1 der Salzbomben steht Matjesfilet nordische Art. Die Erklärung: Matjes wird traditionell in Salzlage konserviert. Warum jedoch auch Kartoffelknödel und Pizzen derartige Salzsünder sein müssen, können Ernährungswissenschaftler nicht verstehen. Vor allem für Kinder, Kranke und ältere Menschen stellt zu viel Salz ein enormes Risiko dar.

Wie viel Salz genau in einem Produkt steckt, lässt sich nur im Labor ermitteln. Dabei haben die Warentester festgestellt, dass z.B. fünf von sechs getesteten Hauptgerichten praktisch die gesamte tägliche Salzdosis von sechs Gramm enthalten. Studien legen die Vermutung nahe, dass beim Salzgehalt noch Spielraum nach unten ist: In Weißbrot sollen sich etwa 30 Prozent einsparen lassen, in Wurst zumindest bis zu 15 Prozent. Die Hersteller sind jetzt auf der Suche nach neuen, salzärmeren Rezepturen.

Richtig salzen, länger leben

Wer nach salzfreien Produkten sucht, ist bei Haferflocken, Müsli, frischem Obst und Gemüse, Joghurt, Quark, purem Fisch und Fleisch auf der sicheren Seite. Völliger Verzicht auf Salz ist aber auch nicht ratsam. Wir brauchen täglich drei bis vier Gramm, denn die Salzbestandteile Natrium und Chlor regulieren unseren Wasserhaushalt und unterstützen die Nervenfunktion. Schädlich ist Salz nur in zu großen Mengen und in der schlechten Qualität (z.B. raffiniertes Salz). Doch da viele Produkte ohnehin salzhaltig sind, sollten wir beim Kochen nur wenig Salz verwenden und stattdessen mit vielen frischen und getrockneten Kräutern würzen.

Auch beim Salz selbst gibt es gravierende Unterschiede: Besonders wertvoll sind naturbelassene Stein-, Kristall- oder Ursalze. Denn dieses natürliche Salz liefert ein großes Spektrum verschiedenster essenzieller Mineralstoffe und Spurenelemente. Industriell verarbeitetes Kochsalz enthält dagegen oft schädliche Chemikalien.

Bluthochdruck durch Salz?

Auch wenn viele Menschen keine Probleme mit Salz zu haben scheinen: Jeder Dritte wird von Medizinern als salzsensitiv eingestuft. Und das bedeutet: Die Betroffenen bekommen rasch einen zu hohen Blutdruck. Von den Hochdruckkranken reagiert sogar jeder Zweite auf Salz. Je höher das Körpergewicht, desto größer das Risiko für gefährliche Blutdruckentgleisungen. Untersuchungen zeigen: Ernähren sich Risikokandidaten salzarm, wirkt sich das schon nach kürzester Zeit günstig auf die Blutdruckwerte aus.

Quelle:

tv14, Nr. 13, Seite 11 f. “Salz – die weiße Gefahr”

Comes Lumen

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